Bitcoin-Rente: Wie sinnvoll ist es, mit Kryptos fürs Alter vorzusorgen? (Teil 1)

Waschechte Krypto-Nerds nutzen Bitcoin & Co längst auch als Altersvorsorge. Aber wie gut schützen Kryptos gegen Altersarmut? Und ist eine Art Bitcoin-Rente heute überhaupt schon möglich? Die zweiteilige Renten-Spezial-Serie von Kryptokontor gibt Antworten.

Während ETF-Sparpläne bereits vor einigen Jahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und sich dort als sinnvolle Möglichkeit etabliert haben, um fürs Alter vorzusorgen, gehen die Expertenmeinungen bei Kryptowährungen auseinander.

Einerseits mögen Bitcoins aufgrund der massiven Kursgewinne der vergangenen Jahre für viele Anleger einen gewissen Reiz ausüben. Immer mehr Menschen verlassen sich nicht mehr auf die gesetzliche Rente und sparen zusätzlich privat fürs Alter – und das ist auch gut so. Denn laut der Bundeszentrale für Politische Bildung gibt es ein großes Problem: Die Menschen werden im Schnitt immer älter, die Gesellschaft schrumpft. In der Folge müssen also immer weniger jungen Menschen die Renten für die wachsende Masse der Älteren finanzieren.

Schon heute beziehen Frauen nur etwa 640 Euro, Männer rund 1.000 Euro Rente pro Monat und immer wieder warnen Politiker und Ökonomen davor, dass das Rentensystem in Deutschland sogar vor dem Kollaps stehe.

Jedem sei also geraten, monatlich auch privat etwas fürs Alter anzusparen. Doch wie sinnvoll ist es dies mit Krypto-Investments zu tun?

Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile von Bitcoins.


Die Vorteile: Hohe Rendite und Inflationsschutz

Kryptowährung sind relativ inflationssicher. Gerade in Zeiten steigender Inflation und Niedrigzinsen ist das attraktiv. Der Grund: Anders als die Menge an Dollar und Euro ist das Angebot an Bitcoins aufgrund des sogenannten Halvings auf 21 Millionen begrenzt. Während die analogen Notenbanken also unbegrenzt weiter Geld drucken und damit die Inflation weiter befeuern, besteht bei Bitcoin eine künstliche Angebotsverknappung. Für Investoren ist das lukrativ, denn: Je knapper ein gut, desto höher sein Preis – so zumindest die ökonomischen Standardtheorien.


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Außerdem ist der Wert des Bitcoins langfristig gesehen explodiert. Ein Plus für die Altersvorsorge, denn bei der Absicherung der Rente ist es wichtig, einen langen Planungshorizont zu haben. Da man das Geld erst in zwanzig Jahren oder später ausbezahlt haben möchte, ist es wichtig, keine kurzfristigen Gewinne anzustreben, sondern stets die langfristige Wertentwicklung im Blick zu haben und nicht spekulieren.



In Sachen Bitcoin ist das ein zweischneidiges Schwert. Schließlich unterliegen Kryptowährungen aktuell noch großer Kursschwankungen. Über Nacht kann sich der Wert des Depots schnell mal halbieren. Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust.


Die Nachteile: Hohes Risiko & (noch) wenig Akzeptanz

Anders als ETF-Sparpläne oder Aktien gelten Krypto-Investments aufgrund der hohen Volatilität als Spekulation. Anleger, die ihr Depot zu stark mit Bitcoin anreichern haben also weniger finanzielle Stabilität, die für die Sicherung des Lebensabends aber unabdingbar ist. Wer sich dennoch dazu entscheidet, mit Kryptowährungen für das Alter vorzusorgen, sollte also nicht alles auf eine Karte setzen, sondern es sollte nur eine Absicherung von vielen sein.


Ein weiter Nachteil, der weniger den Bitcoin selbst als unsere Gesellschaft betrifft, ist, dass Bitcoins aktuell kaum an einem Ort als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Nur selten akzeptieren Geschäfte oder Restaurants die Digitalwährung und auch unter der Bevölkerung ist der Bitcoin noch nicht besonders stark verbreitet. Sollte sich das bis zum Bezug der Rente nicht ändern, könnte es im schlimmsten Fall zu Umtauschproblemen kommen – die Konvertibilität des Bitcoins in Euro steht und fällt mit dem Vertrauen, das die Menschen der Cyberwährung zugestehen. Ist dieses Vertrauen einmal weg, ist auch der Euro-Wert des Bitcoins und damit die angesparte Rente verloren.


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Zudem können Bitcoins gestohlen werden, wenn sich zum Beispiel Hacker einen Zugang zum Rechner verschaffen. Gehen Festplatten, Smartphones oder USB-Sticks verloren, auf denen Bitcoins gespeichert wurden, sind diese Guthaben für immer verloren. Auch wer das Passwort zu seiner Wallet vergisst, hat keine Möglichkeit mehr, auf die Geldbeträge zuzugreifen.


Bei Fondsparplänen, die hingegen bei Banken abgeschlossen wurden, können Kennwörter via persönlicher Identifikation zurückgesetzt und Konten entsperrt werden. Gerade im Alter kann das bei ansteigender Vergesslichkeit oft von Vorteil sein.


Während bei Cyber-Attacken auf herkömmliche Bankkonten das Guthaben versichert ist, genießen Bitcoins keinen Einlagenschutz. Anders als Papiergeld auf Sparkonten gelten Kryptos als Sondervermögen wie Gold und Aktien. In diesen Fällen greift der gesetzliche Schutz für Spareinlagen nicht. Ein Verlust oder die Sperrung von Bitcoin-Guthaben droht auch, wenn Bitcoin-Tauschbörsen schließen, oder wenn Länder oder führende Banken den Handel mit Bitcoins untersagen.


Fazit: Spannende Depotbeimischung

Die private Altersvorsorge muss nicht zwangsläufig nur aus Bargeld, Aktien, Immobilien oder ETFs bestehen. Bitcoins können die Rendite der oft sehr defensiv ausgestalteten Rentensparpläne durchaus heben. Aber: Mehr als eine spekulative Depotbeimischung sollten Kryptowährungen nicht sein. Wer seine Altersvorsorge zu stark auf Bitcoins aufbaut, läuft Gefahr, seinen Lebensunterhalt im Alter auf Spiel zu setzen.