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Ethereum Merge: Was Anleger jetzt wissen müssen



Die Ethereum-Blockchain steht kurz vor einem umfassenden Update, das Transaktionen in Zukunft energieeffizienter, schneller und günstiger machen soll. Kryptokontor erklärt die Folgen für den Kryptomarkt und seine Anleger im Überklick.


Ethereum ist nach Bitcoin die zweitwichtigste Kryptowährung weltweit. Nun steht sie vor dem bislang größten Software-Update der Kryptogeschichte: Voraussichtlich am 15. September findet das lang erwartete, in Cyber-Kreisen auch als „The Merge“ bekannte, Upgrade statt, bei dem das Ethereum-Netzwerk mit einer weiteren Blockchain verschmolzen werden soll. Dies ermöglicht die Umstellung auf die „Proof of Stake“ Methode. Wir klären die sechs wichtigsten Fragen im Vorfeld.


Wie unterscheidet sich das neue Ethereum-Netzwerk von der bisherigen Blockchain?


Aktuell werden Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain – wie bei Bitcoin – noch mit dem sogenannten „Proof of Work“ Mechanismus validiert, wobei „Work“ für die Rechenleistung steht, die ein Miner mit seinem Computer aufbringen muss, um Transaktionen zu bestätigen.

Jede generierte oder validierte Transaktion wird dann in Form eines neuen Blocks an die Blockchain angehängt.


Um eine Transaktion zu bestätigen, muss es einem der Miner im Netzwerk gelingen, eine komplexe Aufgaben mithilfe seines Computers zu lösen. Sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen ist attraktiv, denn wer es zuerst schafft, die Aufgabe für einen neuen Block zu lösen, darf diesen an die Blockchain anhängen und wird mit der entsprechenden Kryptowährung belohnt.


Dass die Teilnehmer viel Rechenleistung und daher hohe Kosten für Strom aufbringen müssen, um sich an diesem Ratespiel zu beteiligen, soll vor Betrug schützen. Die Logik dahinter ist simpel: Wer gefälschte Transaktionen bestätigt, müsste mehr für den dafür nötigen Strom bezahlen, als er durch den Betrug gewinnen könnte.


Das neue Ethereum-Netzwerk schützt sich gegen Fälschung jedoch anders – und zwar über ein digitales Pfand, den sogenannten Stake.

Dieser Pfand wird blockiert, wenn man Transaktionen prüft und mit Belohnung retourniert, sofern man sich an die Regeln hält. Bei Betrug verliert man es.

Den Pfand zu verlieren ist für die Netzwerk-Teilnehmer äußerst unattraktiv, da sich dieser an der Gesamthöhe aller Kryptowährungen im Besitz des jeweiligen Teilnehmers bemisst. Fälscht man eine Transaktion, läuft man – je nach Besitzhöhe – somit Gefahr mehrere Millionen Euro zu verlieren.


Im Gegensatz zum „Proof of Work“ Mechanismus braucht man, um neue Blöcke zu generieren, also keine extra Rechenleistung oder Hardware mehr, was den Stromverbrauch massiv senkt. Stattdessen wird die Validierung an den Anteil des Besitzes im Gesamtnetzwerk gekoppelt. Das heißt: Je mehr Kryptowährungen ein Netzwerk-Teilnehmer besitzt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er die Transaktion validieren und somit einen neuen Block an die Blockchain dranhängen kann.

Bei der „Proof of Stake“ Methode ist also kein Mining mehr notwendig, wodurch die Netzwerk-Teilnehmer nicht als Miner, sondern als Forger oder Validatoren bezeichnet werden. Auch Blöcke werden in der neuen Ethereum-Version dann nicht mehr gemint, sondern geforgt.


Wichtig: Wer neue Blöcke forgt, wird anders als beim „Proof of Work“ Mechanismus nicht mehr direkt mit Kryptowährungen ausbezahlt. Stattdessen erhalten die Validatoren als Belohnung pro Block anfallende Transaktionsentgelte erstattet.


Was passiert bei „The Merge“ genau?


Bei „The Merge“ wir die alte Ethereum-Blockchain vom „Proof of Work“ Mechanismus zum „Proof of Stake“ Mechanismus übergeführt. Dafür hat die Ethereum-Foundation in den vergangenen Jahren eine gänzlich neue Blockchain entwickelt, die mit der aktuellen Proof-of-Work-Blockchain zusammengeführt werden soll. Die Verschmelzung ist für Donnerstag, den 15. September 2022, geplant. Ob der Zeitplan aufgeht, wird von Anlegern und Minern gespannt erwartet. Bereits im Jahr 2019 hatte es einen Termin für die Umstellung auf „Proof of Stake“ gegeben – damals wurde „The Merge“ kurzer Hand abgesagt.


Warum wird das Ethereum-Netzwerk umgestellt?


„The Merge“ hat im Wesentlichen zwei Hauptgründe: Erstens reduziert die Umstellung den Stromverbrauch massiv, da zum Validieren von Transaktionen keine zusätzliche Rechenleistung mehr nötig ist. Damit könnte Ethereum den Vorwurf entkräften, dass Kryptowährungen und Blockchains in Zeiten des Klimawandels unvertretbare Energiefresser seien. Zweitens gelten Transaktionen auf einer Proof-of-Stake-Blockchain als wesentlich schneller, weil sie weniger Validatoren benötigen. Auf dieses Weise erhofft sich die Ethereum-Foundation einerseits attraktiver für Produkte und Anwendungen zu werden, die sich an eine breite Masse richten – allen voran im Bereich der Finanzapplikationen.


Andererseits könnte eine schnellere Abwicklung die Transaktionsgebühren auf der Ethereum-Blockchain deutlich senken. Aktuell sind diese im Vergleich zu vielen anderen Kryptowährungen nämlich noch sehr hoch, wodurch der Ether teils als „Coin für Reiche“ bezeichnet wird.


Was muss ich als Ethereum-Besitzer tun?


Abwarten und zurücklehnen. Anleger, die in ihrer Krypto-Wallet Ether-Coins haben oder in Ethereum-basierte digitale Kunstwerke, sogenannte NFTs, investiert sind, brauchen nicht aktiv zu werden. Die Umstellung wird gänzlich von den Anbietern der Software-Anwendungen vollzogen, die auf Ethereum basieren. Das heißt: Alle Anwendungen, etwa Websites, Apps sowie Walltes, die Ethereum für Nutzer zugänglich machen, stellen sich automatisch auf die neue Blockchain um.


Kurzfristig könnte es allerdings rund um den 15. September dazu kommen, dass auf Krypto-Börsen der Handel mit Ether ausgesetzt wird.

Nach der Verschmelzung sollte es beim Handel jedoch keine weiteren Einschränkungen mehr geben.

Wie wirkt sich der Merge auf den Ethereum-Kurs aus?

Seit seinem Kurssturz Mitte Juni 2022 hat sich der Ether-Kurs kurzzeitig mehr als verdoppelt und ist auf etwa 2000 Dollar gestiegen. Die Märkte glauben scheinbar an einen erfolgreichen Merge. Das befeuert den Kurs. Dennoch ist der Ether von seinem bisherigen Allzeithoch im November vergangenen Jahres noch weit entfernt. Da lag der Kurs bei rund 4900 Dollar.


Klappt die Verschmelzung problemlos, könnte Ether weiter steigen. Auch NFTs, digitale Kunstwerke, die auf der Ethereum-Blockchain gemünzt sind, könnten dann stark an Wert gewinnen. Meistert Ethereum das Vorhaben jedoch nicht, wird die Kryptowährung massiv an Vertrauen verlieren – und viele Anleger in andere Digitalwährungen oder Assetklassen flüchten.


Was bedeutet der Merge für Miner?


Ohne Proof of Work gibt es auch keine Ethereum-Miner mehr. Das heißt: Für all jene, die darauf gesetzt haben, mit dem Mining im Ethereum-Netzwerk langfristig Geld zu verdienen, ist nach dem Merge Endstation. Sie haben viel Geld zu verlieren, denn auch der Umstieg auf Bitcoin-Mining ist kostspielig und kompliziert. Hierfür braucht es gänzlich andere Hardware. Zudem ist der Einstieg als Validator längst nicht trivial und hat kaum etwas mit dem bisherigen Geschäft der Miner zu tun: Statt um schnelle Computer einzusetzen und um niedrige Strompreise zu buhlen, geht es beim Forgen vielmehr darum Software effizient zu managen.


Experten fürchten daher, dass Miner einfach weiterhin Proof-of-Work-Ethereum generieren. Es würde zur Spaltung des Ethereum-Netzwerks, einem sogenannten „Fork“ kommen. Dann würden beide Blockchains weiterbetrieben werden, mit dem Resultat, dass Anleger, die Ether besitzen, den Betrag dann zweimal halten: in der neuen und in der alten Version.


Glücklicherweise haben die wichtigsten Nutzer von Ethereum, etwa große Firmen, Kryptobörsen und Stablecoins, bereits zugestimmt den Wechsel auf „Proof of Stake“ durchzuführen. Nichtsdestotrotz ist Ethereum – wie Bitcoin auch – ein dezentrales Netzwerk. Das heißt: Im Ernstfall gibt es auch keine zentrale Instanz, die alte Ethereum-Blockchain einfach abschalten, oder den Teilnehmern das Minen nach dem Merge verbieten könnte. Solange Miner neue Blöcke generieren, läuft auch die alte Ethereum-Blockchain weiter.



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