Kommt diesmal die Inflation?

Aktualisiert: 12. Nov. 2021

Der Unterschied zu den letzten Jahren, in denen die Geldpolitik so ultralocker war, ist, dass die Liquidität diesmal tatsächlich beim Konsumenten ankommt und nicht in den Bilanzen der Banken steckenbleibt. Die Notenbanken haben die klare Absicht bekundet, ein Überschiessen der Teuerung zu tolerieren. So kann sich das Inflationsniveau auf einem höheren Level etablieren. Anleger sollten sich wenigstens auf die Gefahren einer solchen Entwicklung vorbereiten oder diese im Hinterkopf behalten.

Eine zunehmende Inflation lässt sich schon heute, Ende 2020, an zahlreichen Indikatoren ablesen:


• Der Preis für Kupfer ist auf ein 7-Jahres-Hoch gestiegen.

• An den Börsen gewinnen zyklische Sektoren wie Industrie, Energie, Rohstoffe und Finanzen an Fahrt.

• Die Zinskurve in den USA ist steiler geworden.

• Kleinere und mittelgrosse Aktiengesellschaften (Small & Mid Caps) gewinnen gegenüber den großen (Large Caps) an Stärke.

• Der Dollar fällt.


Die Zentralbanken beteuern derweilen einmütig, dass sie nicht beabsichtigen, zu früh auf die Bremse zu treten. Im Gegenteil: Die US-Notenbank wird die Inflationsrate auf über 2% «überschiessen» lassen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit den Jahren nach der Finanzkrise von 2008: Damals starteten die Zentralbanken, beginnend mit der amerikanischen Notenbank, zwar ihre expansive Geldpolitik, doch die Fiskalpolitik schwenkte recht rasch auf einen Austeritätskurs ein. Das Resultat war eine expansive Geldpolitik, gekoppelt mit einer restriktiven Fiskalpolitik – was dazu führte, dass die von den Notenbanken geschaffene Liquidität verpuffte, beziehungsweise im Finanzsystem stecken blieb.


Das ist dieses Mal anders.


Heute herrscht ein breiter Konsens, dass die Fiskalpolitik auf absehbare Zeit noch expansiv bleiben darf. Zur Pandemiebekämpfung werden zudem finanzielle Stimuli ohne Umweg über die Finanzmärkte in die «reale» Wirtschaft gepumpt. Nicht nur die Banken, sondern jedermann profitiert direkt von den Zuwendungen.



Blicken wir also – wie die Finanzmärkte es tun – über die bevorstehenden, harten Wintermonate hinweg, lässt sich mit Sicherheit vorhersagen:


• Die Zentralbanken werden in ihrer Geldpolitik extrem expansiv bleiben.

• Die weltweiten Impfprogramme laufen ab Januar im grossen Stil an, und erlauben damit eine robuste Erholung.


Dazu kommt, dass Konjunkturprogramme die Staatsschulden weiter in die Höhe treiben. Die Notenbanken sehen sich zur Zeit gezwungen, die Zinsen dauerhaft niedrig zu halten, damit der Staat nicht in eine Schuldenspirale gerät.


Das ist die Mischung: Eine Weltwirtschaft, die sich vom Einbruch erholt, gekoppelt mit einer Geld- und Fiskalpolitik, die lieber zu lange expansiv bleibt als zu früh restriktiv wird. Auf diesen Zutaten baut die These der wieder erwachenden Inflation.

Spätestens wenn die Inflation anzieht, kommt es jedoch zum Schwur für die Zentralbanken. Entweder heben die Zentralbanken die Zinsen dann kräftig an, um die Inflation zu bekämpfen und riskieren eine Staatsschuldenkrise. Oder sie lassen die Inflation laufen. Dann ginge das Vertrauen von Bürgern und Anlegern in das Geldsystem verloren. Eine klassische Dilemmasituation.

Was meint ihr dazu? Wird die Inflation dieses Mal kommen? Und wie wird damit umgegangen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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